Triathlet Paul Marouschek
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Yess, I did it again

Oktober 2022

Aloha liebe Freunde/innen Also eines gleich vorweg: Es ist ein Privileg auf Hawaii bei einer Langdistanz WM dabei zu sein. Die erforderliche Qualifikation, die Stimmung, die Freude und Anspannung der Athleten/innen, das Wissen sich mit den Besten der Besten im fairen Wettkampf messen zu dürfen, die schiache Anspannung vor dem Rennen, all das sagt Dir: „Einzigartig, sei dankbar und schau dass du es mit Anstand finisht. Bringe die verdammte Medaille nach Hause.“

Als es der Startschuss kracht, fällt auch mit einem Schlag die Anspannung. Die ersten 500 Meter ein Gewurl, ich komme gleich in einen sehr guten Rhythmus und finishe die 3,8k – für mich sensationell – in 01:12:53. Das Radfahren verbocke ich aus zwei Gründen: Fülle nie einen Sirup in die Aufleger Flasche und versuche ihn mit dem Trinkhalm zu „zutzeln“ Geht net, viel zu dick. Dir treten beim krampfhaften Ansaugen die Augen aus den Höhlen, die Wangen sind kleiner als deine Nase breit ist. Als ich dann noch auf den ersten 7k die Gel Notflasche wegen der rumpeligen Straße verliere, habe ich 173k ein Versorgungsproblem zu lösen.

Hawaii Kona Schwimmstart
Paul auf dem Queen K Highway
Ironman WM Hawaii

Gott sei Dank schneidet mir bei einer Labe ein US Cowboy mit einem Leatherman den Strohhalm mit den Worten „You are so awesome“ auf und ich komme halbwegs zum dicken Saft. Dass wegen des verbogenen Schaltauges ich nicht am vorderen Kettenblatt den 19 Meilen Anstieg nach Hawi – mit ständigem starkem Gegenwind von rechts vorne – fahren kann, ist die zweite Geschichte. Nach richtig zachen, ungemein körperlich und mental fordernden 180k steige ich nach 06:03:02 vom Rad, ohne irgendeine Idee wie ich jetzt noch die 42km Marathon laufen soll.

Aber es geht doch. Ich komme gut in den Rhythmus, renne bis km 26 eine anständige Pace zwischen 05:20 und 05:45. Nur bei den Laben stecke ich beide Hände und den Kopf in den Eisbottich. Dann plötzlich beim Anstieg auf die Palani Road eine deutsche Stimme: „Ich habe Wasser für dich“. Es ist der zweifache Ironman Weltmeister Jan Frodeno, der verletzungsbedingt heuer nicht starten konnte. Er drückt mir zwei Becher in die Hand, ich wünsch ihm für nächstes Jahr alles Gute und er bedankt sich, meint, aber wichtiger ist jetzt, dass es mir gut geht… Ohne Worte ein großartiger Sportler.

Marathon Kona bei Sonnenuntergang
Paul auf der Laufstrecke Hawaii
Energy Lab Kona

Viele gehen, einige sammle ich auf, kaum jemand überholt mich jetzt noch. Ich merke trotz des Leidens – es geht mir gut – ich hole das Sch…ss Ding nach Hause. Beim Rauslaufen aus dem Energy Lab plötzlich Windstille – also die letzten 13k nicht der erhoffte Rückenwind – auch das ist mir wurscht. Die Pace zwar um ca. 90sec pro km langsamer – drauf gepfiffen. Ich höre das monotone Patschen meiner nassen Laufschuhe – patsch, patsch nach Hause patsch, patsch ah da ist die Palani noch 2km bis zur Finishline. Nina brüllt sich die Seele aus dem Leib, schreie ich aus dem Tunnel noch 1,5km – ich beginne mich echt zu freuen.

Mit einer 3,8 Promille Schieflage überquere ich nach 12:05:02 (Marathon 04:33:55) die Finishline, versuche zu lächeln, reiße die Arme in die Höhe. Yessss I did it again, mit Anstand und mit einer für mich persönlich zufriedenstellenden Leistung, habe ich jetzt zum Zweiten Mal eine Ironman Langdistanz Weltmeisterschaft auf Hawaii gefinisht. Ihr hört von mir Euer dankbarer Kermit 🐸

Zielfoto Ironman WM Kona
Mit Supporter Team auf Hawaii
Zweite Kona Medaille
Hawaii Aloha Kermit
Familie freut sich über Kona Finish